17 Dezember 2011 - 20:30

Präsident Barack Obama steht kurz vor der Entscheidung über eine Waffenlieferung im Wert von 53 Millionen US-Dollar an einen engen Verbündeten, das despotische al-Khalifa-Regime Bahrains.

In Bahrain befindet sich der wichtigste US-Marinestützpunkt in der Region, und aus der amerikanischen Interessenperspektive handelt es sich bei dem nahöstlichen Königreich um ein moderates Bollwerk gegen den Iran. In einem am 17. Dezember in der New York Times erschienen Artikel berichtet nun der renommierte Journalist Nicholas D. Kristof von einer Reise nach Bahrain und findet deutliche Worte über die systematische gewaltsame Unterdrückung der Demokratie fordernden Opposition. Selbst gegen absolut friedliche Proteste gehen die bahrainischen Sicherheitskräfte mit Tränengas vor - mit  aus den USA importiertem Tränengas, wie Kristof anmerkt. Dass es sich dabei keineswegs um eine harmlose Abwehrwaffe handelt, zeigt der Tod des 14jährigen Ali al-Sheikh, dessen Familie Kristof getroffen hat. Der in einer ärmlichen ländlichen Gegend aufgewachsene Junge wurde bei einer Demonstration aus nächster Nähe mit einer Tränengas-Granate erschossen. Doch die Polizei streitet jegliche Verantwortung ab und bedrängt sogar die um ihren Sohn trauernden Eltern, eine entlastende Erklärung zu unterschreiben. Zwar hat sich König Hamad bin Isa al-Khalifa kürzlich von Folter und Mord distanziert und Reformen angekündigt. Und tatsächlich gibt es dafür, so Kristof, bescheidene Anzeichen, doch ungeachtet der beschwichtigenden Rhetorik wird Alis Familie weiter drangsaliert und bei seinem Begräbnis wurden von der Polizei Tränengasgranaten abgefeuert. Auf seinem Grab niedergelegte Blumen und Fotos werden von der Polizei in den Müll geworfen. "Sie haben Angst um ihren Thron", sagen Alis Eltern. "Deshalb wollen sie, dass wir in Angst leben."

Eine weitere Zeugin für die Brutalität des Regimes fand Kristof in Zainab al-Khawaja, 28, deren Ehemann und Vater wegen pro-demokratischer Aktivitäten im Gefängnis sind und dort gefoltert wurden. Khawaja, die in den USA studiert hat, wurde selbst bei einer friedlichen Demonstration Opfer der Polizeigewalt. Nachdem in ihrer Nähe Tränengas-Granaten explodierten, wurde sie in Handschellen gelegt, geschlagen und auf die Polizeiwache verschleppt. Alles wurde von Videokameras aufgezeichnet. Trotzdem nahm sie unerschrocken weiter an Demonstrationen teil und sorgte sich nur um ihre zweijährige Tochter. "Zumindest sollten die Amerikaner dem Regime keine Waffen verkaufen", sagte sie zu Kristof. "Wenn Obama Waffen an Diktatoren liefert, die ihre Demokratie fordernden Bürger unterdrücken, ruiniert er den Ruf der USA. Und das kann nicht im Interesse Amerikas liegen." Wenige Tage nach diesem Gespräch mit Kristof  wurde Khawaja verhaftet.